Think Different

  • Think different Content Marketing

Oft werde ich gefragt, was Content Marketing eigentlich ist. Dann antworte ich: „Es ist, neben Audio und Video, die Kunst hochwertige Texte zu erstellen“. Anschließend kommt die Frage: „Was macht einen Text hochwertig?“ Dann geht die Diskussion los und ich bekomme Meinungen zu hören, wie: „Es gibt heutzutage wenige gute Texter. Waren es früher vielversprechende Werbebotschaften, sind es heute belanglose Texte, die auf die Konsumenten rieseln“. Und dergleichen mehr.

 Tatsache ist, dass ich viel Überzeugungsarbeit leisten muss für die Bedeutung guter Texte in der zwischenmenschlichen Kommunikation. In der letzten Zeit gehe ich auf die Frage, was ich mache und was Content Marketing wäre, anders ein. Ich mache mir die Tatsache zu Nutze, dass Menschen sich Dinge besser merken, wenn Bilder in ihrem Kopf entstehen. „Ich saniere und renoviere“, war letztens meine Antwort einem Freund gegenüber. „Was? Hast Du umgeschult auf Bauleiter? Ich dachte, Du bist Texter? Hm, das war nichts mit Deinem Exkurs in die Welt der Schriftsteller und Autoren. Oder? Und ich brauche dringend jemanden, der mir die Inhalte meiner Webseite überarbeitet“. Als er sich beruhigt hatte, habe ich ihm erklärt, warum Sanierungen und Renovierungen im Content Marketing notwendig sind. „Einer Renovierung bedarf es, wenn die Inhalte einer Webseite überholt sind und die Kundenwünsche sich in der Zwischenzeit geändert haben. Die Inhalte müssen in diesem Fall dem neuesten Stand der Entwicklung und der daraus resultierenden veränderten Nachfrage gerecht werden. Eine Sanierung ist notwendig, wenn Konsumenten auf die eingesetzten Content-Formate nicht ansprechen. In diesem Fall muss das gesamte Kommunikationskonzept neu aufgesetzt werden. Die Fassade des Unternehmens bleibt, ansonsten erfolgt eine inhaltliche Kernsanierung. Also bin ich Renovierer und Sanierer“.

„Ich bin Heilpraktiker“. So antwortete ich ein anderes mal. Es kam die gleiche Reaktion: „Aha, Heilpraktiker! Ooh! Hast Du Patienten?“ „Nein, ich habe keine Patienten. Ich habe Partner und führe Entgiftungen durch“, war meine selbstbewusste Antwort. „Ich schaue mir an, welche Worte Unternehmen verwenden um in den Dialog mit ihren Kunden zu treten. Ich versuche zu eruieren, ob sie die Macht der Worte kennen. Ob Sie Begriffe benutzen, die ihnen schaden. Ist dies der Fall, unterziehe ich die Inhalte einer Entgiftungskur und befreie sie von schädlichen Stoffen (Worten). Der positive Nebeneffekt? Meistens werden Texte nach einer Entgiftung schlanker und sind angenehmer zu lesen“. Und damit komme ich zu meiner nächsten Funktion. Als Texter bin ich neben Renovierer, Sanierer und Heilpraktiker auch Stylist.

„Na, da bin ich gespannt, wie Du die Brücke schaffst vom Texter zum Stylisten“ bekam ich die Tage zu hören. „Kein Problem“, sagte ich. „Manchmal ist es erforderlich, dass Marken sich neu positionieren. Das kann dann der Fall sein, wenn der Akku vergangener Jahre langsam leer wird. Die Forderung nach frischem Wind und neuer Innovationskraft sich im Unternehmen breit macht. Es immer schwieriger wird eine Beziehung zwischen Fans und Marke aufrechtzuerhalten. Es genügt nicht mehr innovativ und originell zu sein. Kunden wollen nicht mehr nur zufrieden sein, sie wollen begeistert werden. Sie wollen sich in die Marke verlieben, beziehungsweise neu verlieben. Also muss die Marke (neu) positioniert werden. Und hier kommt der Wort(Stylist) zum Zuge. Mit den richtigen Worten muss die Marke neu geformt werden. Und zwar so, dass die Kunden das Gefühl haben, dass sie durch den Kauf eines Produktes gemeinsam mit dem Hersteller die Welt verändern.“ Der ein oder andere mag das als zu abgehoben empfinden, was ich gesagt habe. Aber es ist alles schon mal da gewesen, nur leider in Vergessenheit geraten.

Die „Think Different“ Kampagne von Apple ist das beste Beispiel dafür. Lange Jahre, wir sind in den 80ern und 90ern des letzten Jahrhunderts, hat Apple das Image des Rebellen gepflegt und damit gegen die Dominanz von IBM aufbegehrt. Viele Jahre wurde dieser Mythos aufrechterhalten, doch irgendwann war das Unternehmen in der Krise und das Image des Helden nicht mehr zeitgemäß. Steve Jobs übernahm 1996 nach 11 Jahren Abstinenz erneut das Ruder als CEO. Das Unternehmen erwachte und musste neu positioniert werden. Jobs rief die Kampagne „Think Different“ ins Leben, auch als Antwort auf die Kampagne „Think“ des ebenfalls angeschlagenen Rivalen IBM. Apple sympathisierte damit mit all denjenigen, die anders denken. Die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker. Diejenigen, die sich in kein Schema pressen lassen, die die Dinge anders sehen, sich keinen Regeln beugen und keinen Respekt vor dem Status Quo haben. Nur mit zwei Worten wurde ein Image geformt mit dem sich Fans herzlich gerne identifizieren.

Das ist die Aufgabe des Texters. Die Beziehung zwischen Fans und Marke stärken. Und das mit möglichst wenig Worten.

Dieser Artikel möchte dazu auffordern, ganz im Sinne von „Think Different“ auch an das Andere zu denken. Texter arbeiten nicht nur mit einem Bleistift oder einer Tastatur.  Sie sind mehr als Texter. Sie sind Allrounder und müssen in mehrere Rollen schlüpfen um gute Ergebnisse zu erzielen. Sie sind Sanierer, Renovierer, Heilpraktiker, Stylisten und nicht zuletzt (Wort)Akrobaten. Vielleicht sind sie noch mehr…..

Von | 2017-08-25T12:37:15+00:00 1. März 2017|Content|0 Kommentare

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