Können Texte Bedürfnisse wecken?

  • Texte und Bedürfnisse

Wie  gewöhnlich beginnt jedes Jahr mit guten Vorsätzen. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen fleißiger zu trainieren, damit ich wieder auf mein Traumgewicht von 82 kg komme. Bei meiner Größe ist das, der Lehre nach, natürlich immer noch viel zu viel. Aber es ist für mich das Gewicht, bei dem ich mich am wohlsten fühle. Mein Fitnesstrainer und mein Hausarzt mögen mir das verzeihen. Das letzte Jahr war ich nur zahlendes Mitglied im Studio, aber ich habe mir fest vorgenommen, es dieses Jahr besser zu machen. Momentan geht das nicht, weil ich ja an diesem Text schreibe und danach muss ich meine Tochter vom Kindergarten abholen. Und morgen geht es auch nicht, weil ich einen Kundentermin habe und ich mich darauf vorbereiten muss. Ich glaube der Tag danach ist auch ungünstig. Der Wetterbericht hat -10 Grad vorausgesagt und wenn ich verschwitzt das Studio verlasse, erkälte ich mich. Ja, irgendwie ist es diese Woche ganz schlecht. Ich glaube, ich beginne nächste Woche damit….

Ganz unter uns: so ging es das ganze letzte Jahr. Am Ende hatte ich 10 kg mehr auf dem Rücken, gehörige Blockaden an der HWS, einen Tennisarm und ein erbärmliches Gefühl. Ich frage mich seitdem, warum habe ich keinen Erfolg? Warum kann ich mich einfach nicht aufraffen? Ich besuche die Webseite meines Fitnesscenters, lese Berichte darüber wie wichtig Sport für die Gesundheit ist. Gerade für mich, der ich schon eine Bandscheibenoperation hinter mir habe. L5/S1, das vergesse ich nie. Aber kein Text kann mich dazu bringen meine Tasche zu packen, um in das 10 Minuten entfernte Sportstudio zu fahren, für das ich monatlich teures Geld bezahle.

Kennen Sie diese Problematik? Ich bin fest davon überzeugt, dass ich damit nicht alleine dastehe. Wenn ich aber die Literatur durchstöbere, finde ich wenig überzeugendes. Vieles ist nur auf Kommerz ausgerichtet und vollgespickt mit verlockenden Versprechen. Der Kauf eines Buches oder das Lesen eines Textes zum Thema Fitness ist für mich immer noch ein Geld- oder Zeitverlust, kein Gewinn. Wie müssen aber Bücher oder Texte beschaffen sein, damit bei deren Erwerb oder Lesen, meine Freude größer ist als der Schmerz des Bezahlens von Geld oder Zeit?

Exkurs in die Gehirnforschung

Das Gehirn giert nach Belohnung. Das ist von Natur aus so und das haben amerikanische Wissenschaftler bereits 1954 festgestellt. Verantwortlich dafür ist das mesocortikolimbische Belohnungssystem im Gehirn. Allzu kompliziert müssen wir es hier nicht machen. Wichtig zu wissen ist folgendes: Wir kennen alle das „Glückshormon“ Dopamin. Inzwischen hat die Hirnforschung wiederlegt, dass Dopamin dann ausgeschüttet wird, wenn wir Hochgefühle erleben. Vielmehr generiert Dopamin Verlangen und Belohnungserwartung und ist damit ein wichtiger Motivator. Es wird also dann ausgeschüttet, wenn wir eine Belohnung erwarten und zwar umso mehr, je höher die erwartete Belohnung (und je geringer der zu erwartende Schmerz oder Verlust) ist und je neuer und unbekannter das Terrain ist, welches wir betreten wollen. Dopamin sorgt also nicht primär für Glücksgefühle, sondern seine Aufgabe ist es, uns in die Aktivität zu bringen. Für das gute oder Hochgefühl sorgen eher die körpereigenen Opioide (z.B. Endorphine) und Oxytocin.

Es gibt also zwei Systeme: Das Belohnungserwartungssystem (u.a. mit Dopamin) und das Belohnungssystem selber. Dopamin wird nur auf dem Weg ausgeschüttet. Sind wir am Ziel, gibt es kein Dopamin mehr, sondern zum Beispiel das Wohlfühlhormon Serotonin, das uns vermittelt – es ist gut so, wie es ist. Wir haben gute Laune und sind zufrieden.

Können Texte motivieren?

Exkurs in das Moderne Mentaltraining

Jeder Mensch hat Bedürfnisse, bewusst oder unbewusst (Ich will schlank und fit werden). Jeder Mensch hat Werte, die im Idealfall zu seinen Bedürfnissen passen (Gesundheit). Die meisten von uns setzen sich Ziele (Ich will bis Ende des Jahres 10 kg abnehmen). Viele von uns nutzen ihre Vorstellungskraft und visualisieren den Erfolg. Sie haben ein Bild im Kopf, wie es sein wird, wenn sie ihr Ziel erreicht haben (Ich werde attraktiv sein, Ausstrahlung haben). Bei den meisten hört es aber hier auf, weil sie sich eine entscheidende Frage nicht stellen, nämlich: „Warum schaffe ich es?“ Die meisten sagen stattdessen: „Ich mach das ja doch nicht“, oder „Ich bin zu faul“ oder „Ich nehme ja doch wieder zu“ und finden tausend andere Gründe warum es grad nicht passt (so wie ich).  Wir manövrieren uns mit unseren Gedanken selbst in eine Stressspirale hinein. Wenn sie intensiv genug sind, werden unsere Gedanken sogar Realität. Wir schaffen es nicht, werden faul und nehmen tatsächlich zu, mit all den gesundheitlichen Folgen. Hier beginnt das moderne Mentaltraining und setzt dort an, wo die Hauptursache für Dauer‐Stress und Probleme, aber auch die wichtigste Quelle für Erfolg und Zufriedenheit, liegt: in unseren Gedanken und Gefühlen. Simone Brückner eines der bundesweit wenigen Mitglieder der Akademie für Neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und Moderne Mentaltrainerin sagt: „Gedanken bestimmen unser Leben. Oder wie es die Neuroforschung formuliert: Denken ist virtuelles Handeln. Wenn es uns gelingt, ein angestrebtes Ziel attraktiv genug und mit starken positiven Emotionen zu betrachten, dann können wir den Weg dorthin auch mental trainieren. Lassen Sie das Kopfkino, wie Sie Ihr Ziel erreichen (und wie toll sich das mit allen Sinnen an“fühlt“), wieder und wieder laufen. Dann kann es peu a peu gelingen, alte Gewohnheiten zu überschreiben – im Gehirn ebenso wie in der Realität, im Tun. Aber seien Sie geduldig, das gelingt nicht von heute auf morgen“.

Um nochmal auf die Frage zurückzukommen:

Können Texte Bedürfnisse wecken?

Die Antwort lautet Jein. Texte können Bedürfnisse wecken. Diese Bedürfnisse müssen im Leser aber – bewusst oder unbewusst – schon angelegt sein. Eine Person, wie z.B. Winston Churchill es war, wird kein noch so toller Text zum Sport überreden können. Warum? Nun, auf die Frage, wie er als Alkoholliebhaber und Raucher ein so hohes Alter erreicht hat, soll er geantwortet haben: „No Sports!“ Der Leser muss also entweder bereits Sportliebhaber sein oder damit beginnen wollen. Darüber hinaus müssen Texte so beschaffen sein, dass sie all das beseitigen, was Stress verursacht. Sie müssen eine möglichst hohe Belohnungserwartung in uns generieren und gleichzeitig die Schmerzerwartung minimieren. Der Leser muss beim Lesen entspannen können aber gleichzeitig dazu animiert werden aktiv zu werden. Texte haben nur dann Erfolg, wenn sie Werte transportieren, die sich mit den Werten des Lesers decken. Sie haben nur dann Erfolg, wenn sie die ungedeckten Bedürfnisse der Leser anpacken und überzeugende Lösungen zu deren Befriedigung liefern. Und dann rumort es in unserem Hirn. Die Schaltungen flippen aus und schlagen Kapriolen. Der Leser will belohnt werden. Es entsteht eine freudige Erwartung. Dopamin wird ausgeschüttet. Ein euphorischer Zustand tritt ein, weil gleichzeitig Bilder im Kopf entstehen. Im Idealfall werden wir aktiv. Wir kaufen uns ein Buch über Sport oder werden Mitglied in einem Fitnesscenter. Für das anschließende Wohlbefinden sorgen Glückshormone wie Endorphine oder Serotonin.

Fazit:

Texte müssen mit relevanten Inhalten Schlüsselreize liefern für das, was im Gehirn abläuft. Und wenn wir, alleine oder mit Hilfe eines Modernen Mentaltrainers wie Simone Brückner, es geschafft haben, frei von gedanklichen Blockaden zu sein, dann werden sie ungedeckte Bedürfnisse in uns wecken. Wir werden dadurch unwillkürlich motiviert, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Und los geht’s!

Von | 2017-08-25T12:36:53+00:00 20. Juni 2017|Content|0 Kommentare

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