Content Marketing – Das Spiel mit den Emotionen

Oft ist es so, dass selbst ein hervorragend formulierter Text den Weg zum Leser nicht schafft, ihn nicht berührt, weil es ihm an einer Sache fehlt: Menschlichkeit. Viele Texte sind so perfekt, so völlig ohne den geringsten Fehler, mit durchaus vielen Informationen. Aber letztlich sind sie genau wegen dieser Vollkommenheit uninteressant.

Hauchen Sie Ihrem Text Leben ein, indem Sie Menschen zu Worte kommen lassen. Bauen Sie persönliche Statements ein, Zitate von wichtigen Personen. Lassen Sie Experten zu Worte kommen, fügen Sie Fotos dieser Personen ein. Lassen sie Kinder sprechen. Beschreiben sie die Umgebungen, Landschaften. Geben Sie Ihrem Text eine Persönlichkeit und lassen Sie Bilder in den Köpfen der Leser entstehen. Immer da, wo Personen ins Spiel kommen, entsteht Dialog. Immer da, wo Landschaften beschrieben werden, entstehen Bilder. Natürlich ist es für einen Extremsportausrüster einfacher lebendige, spannende Texte zu schreiben, als  für einen Urologen. Aber, glauben Sie mir, so wie ein guter Künstler jeden Hintergrund bildnerisch gestalten kann, so kann man nahezu für jede Branche emotionale Texte „skizieren“. Es kommt auf die Geschichte an.

Ein hervorragendes Beispiel für Storytelling und dafür, wie Emotionen in die Story gelangen können, ist die Geschichte von WestJet, einer kanadischen Billigfluglinie. Diese Geschichte wird auf ihrer Webseite als „WestJet Christmas Miracle“ bezeichnet und ich persönlich würde es gerne das „Content Marketing Weihnachtswunder von WestJet“ nennen. Eine originelle Idee, gepackt in eine sympathische Story. Erzählt in einer Zeit, in der ohnehin Gefühle eine große Rolle spielen. Weihnachten ist die Zeit, in der viele emotionale Muster aufeinander treffen mit denen man exzellent arbeiten kann: Aufregung, Vorfreude, Überraschung, Nächstenliebe, Mitgefühl, Geborgenheit, Harmonie.

13,5 Millionen views in den ersten 5 Tagen nach Veröffentlichung des Videos auf dem Youtube Channel des Unternehmens, sprechen für sich. Mittlerweile sind es über 41 Millionen.

Eigentlich eine simple Story. So wie jedes Jahr und wie überall auf der Welt erscheint der Weihnachtsmann und lässt Augen, vor allem die der Kinder, leuchten. Es wird auf eine bekannte Story zurückgegriffen, die bekannte Emotionen in uns weckt. Soweit nichts Originelles. Das originelle ist der Context in dem sich die Geschichte abspielt, nämlich im Flughafen mit Passagieren der Gesellschaft WestJet. Diese bleibt während der ganzen Zeit dezent im Hintergrund. Die Hauptrolle spielen vielmehr Kunden und Mitarbeiter. Mitarbeiter von WestJet notieren sich die Wünsche der Kunden. Diese werden bei ihrer Ankunft am Fließband mit genau den Geschenken überrascht, die sie sich vor ihrem Abflug gewünscht haben.

Was entstanden ist, ist ein Video vollgepackt mit Emotionen und Bildern, die schon mit dem Weihnachtsmann hinter der Leinwand beginnen. Eine lustige Situation, für die Passagiere eher als unterhaltend empfunden. Hinzu kommt der Stress, den die Mitarbeiter beim Einkaufen der Waren und dem anschließenden Verpacken haben. Und dann der Höhepunkt. Der Augenblick der Überraschung. Alles ist dabei: Neugierde, Verblüffung, Freude, Tränen.

Und das Ergebnis? WestJet präsentiert sich als sympathische, herzliche Fluglinie, die ihre Passagiere nicht nur an ihr Ziel bringt, sondern auch Wünsche erfüllt. Und das Ganze ohne sich selbst in den Vordergrund zu rücken, ohne Produktbeschreibung, ohne Slogan. Stattdessen, eine menschliche, authentische, mit Bildern und Emotionen voll beladene Handlung. So stärkt man Beziehungen zu seinen Kunden. Chapeau!

Von | 2017-08-25T12:42:25+00:00 11. Januar 2017|Content|0 Kommentare

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